KREUZFAHRT  ganz anders, oder

unsere 3te Alpenüberquerung

Während unsere Arbeitskollegen und der große Bekanntenkreis sich Ihren Sommerurlaub auf irgendwelchen Traumschiffen oder All-Inklusive-Clubgefängnissen reservierten und sich schon im Voraus über die Mindestgewichtszunahme von  5 kg aufwärts beklagten, bereiteten wir uns auf eine Kreuzfahrt ganz anderer Art vor. Unsere Vorstellung von „Kreuzfahrt“ wurde natürlich nicht mit dem Schiff, sondern wie es sich für echte Mountainbiker gehört, mit dem Bike geplant, - eine „Kreuzfahrt durch die Alpen“ sollte es sein. Bereits schon 2 mal haben wir die Alpen von Norden nach Süden auf  unterschiedlichen Routen von Garmisch bzw. Mittenwald nach Riva überquert und uns dabei nach der klassischen Variante, auch nicht vor der anspruchsvollsten Variante gescheut.

Auf geht´sDieses Mal stand unsere Unternehmung unter dem Motto „Genusstour“, - ganz individuell gestaltet, mit zahlreichen Highlights, welche auf den traditionellen Routen niemals zu erreichen wären. Das Problem war nur, kein Veranstalter konnte uns für diese Routenwahl einen Guide stellen. Somit wurde die gesamte Planung selbst übernommen bzw. in die Hände unseres Freundes Rolf, Team-Partner und Teilnehmer an beiden Alpenüberquerungen gelegt. Schnell wurden  Wunschziele vorgeschlagen und abgestimmt, sowie ein GPS-gerät  plus Karten gekauft. Damit war die Organisation jedoch noch lange nicht erledigt, es mussten die Übernachtungen auf der Strecke, der Gepäck-Shuttle sowie  der Rücktransport von Riva  gesichert werden. Für eine 10-köpfige Truppe schon eine Aufgabe, welche jedoch von „Gumbis Chaos-Tours“ hervorragend gemeistert wurde.  Die sportliche Vorbereitung lief schon seit Wochen auf Hochtouren, jeden Samstag wurden dafür gemeinsam ordentlich Kilometer gekurbelt. Einige wollten noch Gewichtsoptimierung in Sachen „Hüftgold“ betreiben, andere mussten an Waden- und Oberschenkeltuning arbeiten. Schließlich lagen 7 Tage im Sattel, 430 km und 13.500 Höhenmeter vor uns.  Am 09. Juli sollte es in Nauders losgehen. Wir  hatten uns für Nauders als Startpunkt entschieden, da wir 1tens den Alpennordkamm wegen des Wetterrisikos auslassen wollten und uns 2tens in den südlichen Alpenregionen so viele Top-Spots interessierten, was schon aus zeitlichen Gründen einen Start hinter dem Alpennordkamm  notwendig machte. Auf jeden Fall eine richtige Entscheidung, da, wie schon 2009, die europ. Großwetterlage einfach nur besch.. war und wir eigentlich keine Lust hatten, uns jeden Abend wieder den Schlamm aus Ohren und Schritt waschen zu müssen. Die Hoffnung, südlich besseres Wetter vorzufinden wurde allerdings in der Woche vor der Anreise durch stündliches wetterdotcom stöbern und einer  Regenwahrscheinlichkeit 60-80% zwar nicht wirklich  optimiert  und brachte selbst unseren hart gesottenen Paul Sr. aus der Ruhe, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. So reiste am 08. Juli das Trans-Alp-Team des S.V. Lemberg, Rainer Brestel, Klaus Emser, Paul Ehrhardt Sr. Paul Ehrhardt Jr., Rolf Gumbert, Jürgen und Martina Klan, Andreas Klan, sowie die beiden Neuen im Team, Markus Müller und Wolfgang Neubert  mit Ihren frisch polierten Bikes in Nauders an.

 

Tag 1, 9.Juli; Nauders/A – Santa Maria/CH, 63 km, 2150 Hm:

Was für eine Überraschung, ein blauer Himmel und keine einzige  Wolke am Himmel. Schon am Frühstück herrscht eine Topstimmung. Heute steht neben einem Abstecher zu einem  Hochmoorsee, unser Highlight die legendäre UINA-Schlucht auf dem Programm. Diese stand schon 2008 auf unserem Plan musste aber wegen Gewitter ausgelassen werden.  Sie gilt  unter allen Alpen-Fans, gleich ob zu Fuß oder mit Bike zu einem unbedingten Muss.  Aber zunächst sollte der Anstieg zum „Schwarzen See“ bewältigt werden. Dass wir keinen Meter Einrollstrecke fahren, sondern direkt aus der Bikegarage Bergstraßenrausauf 15 % Steigung müssen, wird in der Schönwettereuphorie zunächst gar nicht bemerkt; - vielleicht weil es auf dem Asphalt recht gut fahren lässt und im oberen Waldwegbereich nicht mehr ganz so steil ist und es locker rollt. Nach ca. 6 km u. 300 Hm erreichen wir den „Schwarzsee“, ein in eiszeitlicher geprägter Landschaft  gelegener Moorsee. Wunderschön und idyllisch gelegen, ein landschaftliches Juwel. Die ersten km der Abfahrt wird das Bike getragen. In diesem Landschaftsschutzgebiet sind keine Wege/Pfade im eigentlichen Sinne angelegt, sondern eher Trampelpfade auf Fels, von Wurzeln überwuchert. Nach ca. 4 km erreichen wir einen Fahrweg der uns den ersten Downhill beschert. Im Tal überschreiten wir die Grenze zur Schweiz. Schneller runder Tritt leisten wir uns auf einem schön flowigem Weg durchs Engadin. Plötzlich tauchen links und rechts kunstvoll gestaltete Skulpturen aus Holz, Eisen oder Stein auf. Klar, wir befinden uns ja auch auf dem bekannten Skulpturenweg mit seinen über 100 interessanten Motiven. Schließlich, incl. ein Paar km verfahren, stehen wir bei Sur En (1120 m) vor dem Eingang der berühmten Uina-Schlucht. Obwohl uns klar ist, dass es ein langer und beschwerlich Anstieg werden wird und eine längere Tragepassage ansteht, freuen wir uns tierisch auf diese Etappe. Zunächst führt noch ein angenehmer Fahrweg zwischen den durch Ihre Höhe und Enge bedrohlich wirkenden Felswände in den vorderen Teil der Schlucht. Bald weicht die Enge und der Weg führt nun zwar steiler, aber dafür im Schatten des Waldes weiter aufwärts. Natürlich gehört zu einem solch gewaltigen Naturbild auch ein tosender Wildbach, der laut rauschend  neben uns in Tal stürzt und welcher auch ein-zweimal auf Holzbrücken überquert werden muss. So bieten schon die erstenkm abwechslungsreiche und tolle Eindrücke, bevor wir das eigentliche Highlight erreichen. Nach einer urigen Alm geht es in den letzten, berüchtigtsten Teil der Uina. Auf stark ausgesetztem Pfad können wir anfangs noch im Sattel bleiben. Hinter einer schmalen Balkenbrücke wäre ein erneutes Aufsitzen unnötig, denn die Tragestrecke beginnt. Die Schlucht war in Ihrer ursprünglichen Form unbegehbar. Vor ca. 100 Jahren hat man dann auf mehr  als 1000 Meter Weglänge, bis zu 100 Meter über dem Schluchtgrund, in einer Breite von +/- 1 m einen Pfad  aus der fast senkrechten Felswand, meist als felsüberdachte Galerie mit Tunnels ausgebrochen.
Schmale PfadeObwohl meist mit einem einfachen Eisengitter abgesichert, halten wir uns schön an der Innenseite des Pfades, wer schwindelfrei ist, ist im Vorteil. Als wir aus dem engen Schlauch der Uina durch ein letztes Felsentor entlassen werden, führt ein schöner Trail durch eines der größten Hochgebirgsmoore Südtirols  zum Schlinigpass(2311m  Leicht wellig, über eine riesige Sommerweide  überschreiten wir ganz unauffällig die Staatsgrenze nach Italien. Nur ein Holzdrehkreuz und ein unauffälliger Grenzstein steht an dieser alpinen Grenze. Auch für das Wasser ist hier oben eine Grenze, während das Wasser des Wildbaches beim Aufstieg ins Schwarze Meer fließt, bahnen sich ab hier nun die Bächlein Ihren Weg in den Süden zur Adria. Auch wir halten uns südwärts, rasten natürlich auf der Sesvennahütte. Die riesige Portion Pasta Bolognese bringt die verbrauchte Energie schnell wieder zurück. Die folgende Abfahrt ist zunächst sausteil, ca. 30-35 % auf losem Geröll und groben Schotter und erfordert Routine und Fahrsicherheit. Bald wechselt der Belag auf Asphalt, dem wir mit Highspeed auf Asphalt bis wir den Radweg Reschenpass-Vinschgau  bei Laatsch folgen. Hier waren wir schon 2008 unterwegs.  In Schluderns (880 m) zweigen wir ab Richtung Schweiz. Die Straße nach Santa Maria steigt stetig an, was uns natürlich nicht hindert, im Windschatten aufgereiht unseren Puls hoch zu treiben um den Tagesschnitt aufzubessern. In dem gemütlichen kleinen Schweizer Bergdorf Santa Maria im Val Müstair  (1375 m)finden wir nach kurzer Suche auch unser Hotel. Glücklich und begeistert von den Schweizer Röstivarianten, schlossen wir dann den ersten Tag in der kleinsten Bar der Welt (Guinness-Buch der Rekorde 2009) mit einem Whiskey, dessen Preis wir in Vergessenheit ruhen lassen möchten.

 

Tag 2,  10. Juli; Santa Maria/CH – Bormio/I, 51 km, 1350 Hm;

Unglaublich, schon wieder Traumwetter. Nachdem sich gestern schon einige einen leichten Sonnenbrand einfingen, musste heute neben dem Standardprogramm, Gesäßcreme und Muskel-Startöl auch die Sonnencreme ins morgendliche Schmier-Ritual aufgenommen werden. Laut Reiseleiter sollte es heute eine angenehme und „easy-Etappe“ werden. Der Hauptteil der Strecke wurde als Tageshighlight auf die bekannte und ebenfalls als Top-Spot geltende „Dreiländer-Runde“ gelegt. Eigentlich hätten wir uns heute eine kurze Einrollphase gewünscht, aber Rolfis Chaos-Tours sah das anders vor. Wie schon am Tag zuvor, aus der Bikegarage raus und gleich in die Steigung. 10 km mit 900 hm bringen uns über Dös Radond (2230 m) auf die Val Mora-Hochebene. Auf diesem Abschnitt der berühmten „3-Länder-Tour“ treffen wir viele Biker welche diese beliebte und oft empfohlene Runde befahren. Landschaftlich einfach unbeschreiblich schön, Wiesen und Almen umrahmt von Berggipfeln.  Auf dem weiteren welligen Verlauf rollt es auf schönem schmalem Trail einfach super. Bald führt der Pfad an einem Steilhang oberhalb eines breitem Wildbaches entlang, was bei Gegenverkehr immer zum absteigen zwingt. Auf der „Strada del Vino“, einer alten Handelsstraße, von Bormio in die Schweiz führend, befahren wir wieder italienischen Boden und erreichen nach wenigen Minuten den Stausee Lago di San Giacomo (1950 m). Natürlich schaufeln wir in dem netten Lokal am See bei  leckerer Pasta Bolognese ordentlich rein.  Relaxed und zufrieden  brechen wir auf. Leider verfahren wir uns dann mal wieder ein wenig und sammeln dabei unfreiwillig noch Höhenmeter, bevor wir zu der richtigen Abfahrt gelangen. Ein wirklich mega-super-geiler Adrenalindownhill krönt diese Tagesetappe: stabiler Schottergrund, steil, Bodenwellen Serpentinen, meist in einer steilen Felswand eingebettet,  suuuper.  Die letzte km lassen wir es auch auf der Straße  richtig krachen und erreichen Bormio im Tiefflug. Bevor wir unser Hotel in Bormio (1200 m)beziehen, genießen wir in der wunderschönen Altstadt natürlich zuerst unser 1tes ital. Eis.  Im Hotel erwartet uns eine besondere Überraschung; -  das Hotel  Genziella erweist sich als 100%-Treffer, einfach genial, perfekt und eine Adresse die man empfehlen muss.

 

Tag 3, 11. Juli; Bormio/I – Dimaro/I 87,5 km, 2.850 Hm;

Königsetappe: -  Obwohl es am Vorabend recht schwarz am Himmel zuzog, war morgens keine Wolke mehr zu sehen.  Ein umfangreiches Schlemmerfrühstück und strahlender Sonnenschein lässt jeden Respekt vor den beiden anstehenden Pässe schwinden. Einrollphase?? - weit gefehlt. Wie die Tage zuvor, gleich in den 25 km lange Anstieg zum Passo di Gavia. Der Gaviapass wurde schon mehrfach als anspruchsvolle Bergetappe, als der höchste Punkt des  Giro d`Ìtalia, den Cima Coppi eingebunden. Klar dass wir da auch mal drüber müssen. Erstaunlich locker überwinden wir auf der gut fahrbaren Nordrampe die  1o Kehren und die 1400 Hm non-stopp.  Euphorisch müssen wir die letzten 200m im Bergsprint den Pass (2618 m) erreichen. Im Lokal auf der Passhöhe bewundern wir bei einem Cappuccino die zahlreichen Bilder und Erinnerungen an die legendäre  Giroetappe. Die Abfahrt wird erwartungsgemäß heiß; 1300 Hm Downhill, auf fünfzehn, teils sehr enge Kehren, teilweise nur 1,8 m breit, mit Tunnel, für öffentlichen Verkehr oft problematisch, lassen den Adrenalinspiegel, aber auch  die Temperatur der Scheibenbremsen rasch steigen. In dem schönen typisch italienischen Bergdorf Pezzo (1200 m) ist Mittagessen geplant, nur, -  unsere Reiseleitung vergaß einen Tisch zu reservieren. So stehen wir hungrig vor dem einzigen Lokal vor verschlossenen Türen. Dank unseres Charmes bereitet uns die blonde Italienerin einer Snackbar einige Schinken/Käse-Sandwich zu, die wir auch schneller als serviert vertilgen. Die Stärkung war auch notwendig, denn nun folgt der zweite Anstieg auf über 2600 m an diesem Tag. Von Pezzo zum Gebirgsdorf Case de Viso, einem urtypischen, malerischen Fleckchen Erde, führt die Strecke noch auf Asphalt. Dann beginnt ein Anstieg Steiler Aufstiegwelcher im unteren Teil zwar steil, aber immer noch fahrbar ist. Unzähligen Serpentinen weiter oben  genießen wir natürlich die Aussicht in das Bilderbuchmotiv des Val di Viso.  Beim Blick nach oben allerdings erahnen wir die bevorstehende Strapaze. Rundum nur Felswände, irgendwo muss es ja rüber gehen?  Die letzten km hinauf zum Rifugio Bozzi (2480m) zieht sich unser Feld weit auseinander und absteigen und schieben ist für Keinen eine Schande. Der Hüttenwirt hier oben muss irgendwie `ne Macke haben, seine tierischen Grunzlaute können wir keiner Sprache zuordnen. Wahrscheinlich verbringt er hier oben mehr Zeit mit Ziegen und Kühen als mit Menschen. Wir taufen ihn „den Tibetaner“ und es gelingt uns irgendwie dass er uns Limo und Wasser verkauft.  Was nun folgt, ist nochmals eine Steil(g)erung und reines Martyrium für unsere Beine. Die nächsten 200 Hm zum Pass Forcellino di Montozzo führen über Geröll mit bis zur 40% Steigung in die Montozza Scharte,  nur steiler ist geiler. Zunächst wird man hier oben von einem atemberaubenden Panorama überwältigt. Dann beginnt man die „Geschichte“ auf sich wirken zu lassen; - selbst hier, an diesem herrlichen Flecken zwischen Ortler und Adamello tobte einst ein Krieg. Neben den Ruinen eines Militärforts sind hier die Schützengräben und Unterstände der Soldaten welche hier kämpften und starben zu sehen. Rund 100 Jahre später stehen wir hier oben vor Ihrem Gedenkstein und die Natur zieht uns wieder in Ihren Bann. Wir fühlen uns wie auf dem Dach der Welt und die Melancholie weicht der Begeisterung und der Freude den Aufstieg hier hoch geschafft zu haben.  Die Abfahrt zum 1000m tiefer liegenden Stausee Lago Pian Palu ist unter Mountainbiker berüchtigt, da sie zu einer der schwierigsten Passagen für Alpencrosser zählt. Der1te Teil ist zunächst auf ruppigem felsigem Hochgebirgspfad bis zu einem Plateau fahrbar. Hier hat man einen tollen Ausblick auf den tief unten liegenden Stausee. Den nun 2ten Teil als fahrbaren Trail zu bezeichnen ist übertrieben. Nach einem Sturz, der gekonnt im Spagat über den Lenker noch glimpflich ausgeht, entscheiden wir, das wir geschlossen die Bikes schultern. Es kommt uns hier oben nicht auf Egotrips Einzelner, die evtl. noch fahrbaren Untergrund entdecken können an, sondern das gemeinsame Ankommen in 4 Tagen ist das erklärte Ziel. Nach dem Verlust von ca. 200 hm zu Fuß können wir hinter einer kleinen Hängebrücke endlich wieder aufs Bike. Nun folgt die Entschädigung; der 3te Teil, auf schönem Trail, bleiben wir größtenteils im Sattel und werden nur wenig zum absteigen gezwungen. Am schönen Lago (1800m) machen wir eine kurze Rast in der Sonne. Wir überqueren die Staumauer bevor für die nächsten 27 km wieder Feuer frei gilt. Im Downhill fliegen wir auf Asphalt in dem kleinen Dorf Peio Termo ein, erfrischen uns mit einem kühlen Radler bevor es weiter auf Asphalt in rasantem Tempo mit schönen engen Kurven  bergab geht. In Ossana wird unsere Lokomotive Bj. 60 vorne angespannt, die uns mit einem 35er km/h-Schnitt im Windschatten bis vor unser Hotel in Dimaro (770 m) zieht.

 

Tag 4, 12. Juli; Dimaro/I  - Tuenno/I 35 km, 1.750 Hm;

Nach der gestrigen Königsetappe steht heute nur ein Berg auf einer kurzen Etappe an. Das übliche Ritual, Frühstücken, Cremen, Taschen packen und Zimmer räumen;  -  aber heute, welche Wunder gönnt uns unsere Reiseleitung erstmals eine Einrollphase, - Hurra. Auf Radweg pacen wir 5 km neben einem Fluss entlang. Für diesen Luxus sollte aber bald die Quittung folgen. Der 10 km lange Anstieg mit 1350 Hm zum Rifugio Peller wird zur demoralisierenden Odyssee. Zunächst geht es einfach nur extremst steil hoch, 20-30% wechseln sich auf den ersten 5 km ab. Dann hat der GPS irgendwie eine falsche Route empfangen. Wir stehen am Wegende und müssen wieder ein Stück retour. Wir können keinen weiteren Fahrweg welcher  uns zum Rifugio führt mehr ausfindig machen, also nehmen wir den Fußpfad welche die Markierung zum besagten Ziel trägt. Das Bike wieder geschultert, werden wir schon bald oben ankommen, - denken wir gutgläubig. Nur, irgendwann ist dieser Trampelpfad kaum noch begehbar, im Wechsel stehen wir vor einer Bachüberquerung ohne Brücke, vor lehmigen und rutschigen Anstiegen die man besser auf allen Vieren begeht. Irgendwie sind wir alle etwas genervt. Hier fällt dann auch die Aussage, welche im unserem Verein noch lange für Unterhaltung sorgen wird: „wenn Du oben bist, tret` Deinem Schwager in die Eier“; was wie folgt kommentiert wurde: „das ganze Jahr ist es Dein Freund, jetzt auf einmal mein Schwager“. Aus dieser kurzen Konversation kann man die Anspannung erahnen.  Nach einer unendlich scheinenden Zeitspanne mit Flüchen und Verwünschungen stehen wir plötzlich auf einem Plateau mitten in einem Märchenwald dessen Idylle uns aber nach dieser Strapaze leider nicht wirklich begeistert. Die erdrückende Schwüle trägt auch nicht gerade zum Wohlbefinden bei, die aggressiven Stechmücken geben uns noch den Rest.  Irgendwann kommt die Überlegung, ob wir uns von „Radsportabteilung S.V. Lemberg“ nicht besser in „Rolfi`s Survival-Club“ umbenennen sollten? Weiter, nun nicht mehr ganz so steil, schieben und fahren wir im Wechsel  hoch bis zur Alm Rifugio Peller (2020m) Keiner ist so wirklich euphorisch wie sonst bei unseren Bergankünften. Diese ungewollte und höchst strapaziöse Etappe hat unsere Stimmung irgendwie, weil unerwartet, gedrückt. Außerdem rückt das erste Mal eine Gewitterfront an, was bedeutet, dass wir uns rasch vom Berg machen sollten. Trotzdem lassen wir uns nach dem Wechsel der klatschnassen Trikot die Spagetti noch schmecken, bevor wir uns auch wieder bestens gelaunt auf die Abfahrt vorbereiten. Der Himmel ist mittlerweile von grauen Wolken bedeckt und es sieht aus als gießt es gleich in Strömen. Also, Wind/Regenjacke an und ab Richtung Tuenno. Die  Abfahrt wird für alle zu einer Bremstechnikbelastungsprobe. Extrem steil, auf Asphalt führt der Fahrweg (die vorgeschlagenen Bike-Route haben wir mal wieder verpasst) Serpentine um Serpentine bergab. Mehrmals müssen Kühlpausen für die Scheibenbremsen eingelegt werden, weil das „fading“  zu einem zu großen Risiko auf dieser Abfahrt wird. (fading: dahinschwinden = unkontrollierbares Nachlassen der Bremswirkung durch Wärme, kann den Bremsweg dramatisch verlängern bzw. bei Überhitzung komplett ausfallen und sorgt beim Fahrer für ein beschissenes Gefühl)  Die Pausen nutzen wir, um die Windjacken  auszuziehen. Die kühle Frische von oben weicht der erdrückenden Schwüle hier, 1000 m tiefer. Auf der MTB-Strecke der Brenta-Runde erreichen wir nach einigen welligen Km unser Ziel Tuenno (630 m) Das unser Hotel, übrigens auch ein 100-Punkte-Treffer, in diesem verträumten Nest eine hauseigene Gelateria aufweist ist natürlich der Höhepunkt des Tages. Von dem aufziehenden Gewitter ist nichts mehr zu sehen. Abends besprechen wir die weitere Tour. Nach 3 schweren Trage- und Schiebeeinlagen auf 4 Etappen erscheint uns die für Tag 6 geplante Route teilweise als nicht umsetzbar und einigen uns auf eine alternative Passage -  wollen aber erst mal unsere Verfassung und die weitere Wetterentwicklung für übermorgen abwarten.

 

Tag 5, 13. Juli; Tuenno/I – Molveno/I 62 km, 1.780 Hm;

Das erste Mal seit unserem Start am Samstag, ist der Himmel stark bewölkt und schon beim frühstücken kommen wir ins Schwitzen. Die Schwüle wird uns heute zu schaffen machen. Vom Hotel aus wie üblich, gleich ordentlich bergauf, nach ca. 2 km werden wir stutzig, da die eigentliche Fahrtrichtung entgegengesetzt sein müsste. Also wenden, zurück nach Tuenno und fragen. Ein Begleitfahrzeug mit weiblicher Besatzung lotst uns tatsächlich durch das ganze Städtchen und unser GPS tilt. Die hilfsbereite Italienerin hat sich unseren herzlichen Applaus verdient, Mille Grazie. Auf dem Plan steht heute der östliche Teil der Brenta-Bike-Route, mit Abstecher zum Lago di Tovel. Das heißt, erst mal wieder 6 km bergauf. Auf Asphalt rollt zwar alles ganz gut, aber langsam spürt man doch die bereits zurückgelegten Kilo- und Höhenmeter.  Vor allem die langen Tragepassagen hat die Beinmuskulatur ungewohnt belastet. Der Lago (1180 m) liegt wirklich wunderschön umrahmt von Bergen und ist die Auffahrt allemal wert.  Während der Auffahrt entdecken wir mehrmals einen wunderschönen Trail abseits der Straße. Klar dass wir uns für die Abfahrt  auf den Trail schwingen und dabei eine ungeplante Überraschung erleben. Super angelegt, schön wellig, mit kleinen Brücken und Stufen fliegen wir regelrecht die nächsten 4 km durch den Waldbereich Richtung Tal. In Begeisterung dieses echt geilen Trails wählen wir folglich an einer Beschilderung statt „Brenta-Bike“, die  Route „Brenta-Trekk variante difficile“. (Die Abkürzung durch den gut angelegten Fußgängertunnel nehmen wir aus Angst vor dem Brenta-Bären lieber nicht).  Auf alle Fälle ist die Umfahrung des Tunnels eine weise Entscheidung. Obwohl wir nach einigen hundert Meter bereits wieder absteigen müssen, folgt nämlich ein weiteres super Teilstück welches bei typischen Alpenüberquerungen für Biker seltenst zu finden sind und sich als echtes Highlight entpuppte. Ca. 2 km weit, hangeln wir uns an einem Drahtseil an einer mehrere hundert Meter hohen Felswand entlang. Als Wasserversorgungsanlage wurde dieser Steig irgendwann mal angelegt und führt fast senkrecht  ca. 200 m hoch über den Häusern durch den Fels. Meist, zum Glück ca. 80-100 cm breit, aber auch mit 2-3 Engstellen welche gerade mal 40 cm breit sind und wir die Bikes in der linken Hand frei schwebend, die rechte am Seil haltenden mit einem Kribbeln im Bauch passieren. Danach  rollt es wieder locker auf der Brenta-Bike-Runde weiter, schöne Trails wechseln mit breiten Schotterpassagen ab. In der Mittagszeit verlassen wir kurz die Markierung um unsere Akkus im Örtchen Flavon mit der tägliche Ration Pasta wieder aufzufüllen. Voller Bauch tut sich schwer weshalb wir es  langsam angehen lassen. Bald werden wir wieder von dem seit dem Vortag fälligen Gewitter bedroht, rechts in den Bergen der Brenta grollt es schon heftig, links von uns im Tal verdichten sich die dunkelgrauen Wolken. Der Regen hat uns eingeholt. Es kommt zu einem für diesen Sommer typischen schweren und heftigen Platzregen, Gott sei Dank erreichen wir das Örtchen Spormaggiore und rasten wetterbedingt bei einem Cappuccino.  20 Minuten später satteln wir wieder auf und ziehen auf der Straße  nochmals mit 500 hm nach Andalo hoch, wo uns erneut eine heftige Regenattacke überfällt. Es stehen nur noch 6 km Abfahrt auf Straße bevor, so sind wir über diese warme Dusche gar nicht böse und heizen bei strömenden Regen abwärts nach Molveno (860 m) unserem Tagesziel. Molveno muss hier extra  erwähnt werden. Ein wunderschönes Urlaubsstädtchen, touristisch sehr gut entwickelt, aber, - kein einziges deutsches Auto, nur italienischen Publikum, entsprechend urtümlich und urtypisch schön das gesamte Ambiente, identisch,  fern von den zahlreichen auf  „Deutschtourismus“ getrimmten Alpenregionen, ein wirklicher Geheimtipp. Auch die Strandpromenade des Lago di Molveno, kann sich mit  jedem Gardasee etc. bedingungslos messen lassen. Trotzdem, der Wermutstropfen; nachts tobt in der Region um Molveno das überfällige Unwetter. Ein Gewitter auf Weltuntergangsniveau lässt uns schlecht schlafen und vor dem nächsten Tag bangen.

 

Tag 6, 14. Juli; Molveno/I  - Stenico/I 65 km, 1.880 Hm;

Wie durch ein Wunder ist heute von dem nächtlichen Unwetter seit den frühen Morgenstunden nichts mehr zu hören und am Himmel außer ein paar dicke, aber schneeweißen Wolken nicht mehr zu sehen. Trotzdem entscheiden wir uns wohlweislich die bereits geplante Alternativroute zu nutzen. Wieder genießen wir ein Schlemmerfrühstück und fahren bestens gelaunt auf der Brenta-Route wieder hoch nach Andalo (1050). Die Möglichkeit, hier die bevorstehenden 500 hm mit der Seilbahn zu bewältigen ist zwar verlockend, aber die Seilbahn hat noch geschlossen, also hilft uns mal wieder eine nette Italienerin, diesmal in Uniform, weiter und erklärt uns freundlich den Weg. Der Anstieg erweist sich als lang aber letztlich doch gut fahrbar. Die Spuren des Unwetters haben Ihre Spuren hinterlassen, so dass an der Auffahrt tiefe Auswaschungen  und auf den flachen Abschnitten riesige Pfützen ein stetiges Slalom fahren erfordern. Irgendwie verlieren wir uns am Anstieg.  Die  (schnellere) Hälfte unseres Teams verpasst die Verzweigung und verfährt sich. Nach dem Motto, die Letzten werden die ersten sein, nehmen wir den richtigen Weg, (Karten muss man lesen können, wenn das GPS versagt), und sind dann ca. 30 min. vor den „Schnellen“ auf dem Berg. Hier oben erreichen wir unser Etappenhighlight. Auf dem Bergrücken fahren wir schön wellig ca. 600 m über dem Lago de Molveno, wieder in einer landschaftlich unbeschreiblich schönen Ecke dieser Erde. Unter uns der See, dahinter das Postkartenpanorama der Brenta, leider etwas in Wolken gehüllt. Hier oben hat das Unwetter heftigst zugeschlagen. Überall sind Ansammlungen von angeschwemmten bis zu 5 cm großen Hagelkörner auf den Wegen, manche sind bis zu 40 cm tief und lassen sich unmöglich durchfahren so dass wir uns noch kalte Füße holen. Wir erreichen die Südspitze des Höhenzuges und sehen in einiger Entfernung durch dunstiges Wetter getrübt,  erstmals das Ziel, den Gardasee.  Die folgende Abfahrt ist mal wieder Hard-Core pur. Die ersten 1000 m auf befestigtem Hochgebirgsfahrweg  führen mit 45-50 % Gefälle!!! fast im freien Fall ins abwärts. Hierzu sind die beiden Fahrspuren mit speziellen Betonplatten befestigt, welche nicht nur holprige Querrillen, sondern auch extreme Längsrillen führen. Irgendwie meint man auf überdimensionierten, betonierten Eierschachteln zu fahren. Wir lassen den Sattel etwas ab und konzentrieren uns auf diese wirklich heikle Herausforderung.  Der Rest der Abfahrt  auf Beton und Asphalt wäre dann super in Mega-HighSpeed zu bewältigen, wenn da nicht wieder die gefährlichen Reste des Unwetters wären. Ständige Überspülungen aus Seitenwegen und massenhaft  Blätter und  gebrochenes Geäst auf der Straße raten uns zur Vorsicht. Trotzdem sind wir mehr als flott unterwegs. In Bozzi,wieder so ein einsames Fleckchen wo man außer Ziegen und Dorfstreuner niemand sieht, warten wir auf den Rest der Truppe. Nach 20 min. sind wir wieder komplett und ziehen gemeinsam weiter Richtung Zivilisation. Wellig, mit wenigen leichten Gegenanstiegen geht es kontinuierlich abwärts. Endlich wieder ein Lokal um unsere Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Am Lago di Nembia  (800 m) finden wir ein ansprechendes Gasthaus. Dann der Schock, man hat schon seit 30 Minuten geschlossen. Trotzdem, auch hier wieder ein Beweis für die sensationelle italienische Gastfreundschaft in dieser Gegend. Da wir uns mal wieder einstimmig auf Pasta Bolognese und großes Spezi einigen, hat die nette Bedienung ein Herz für uns und schmeißt den Ofen nochmals an. Mit einer Riesenportion befriedigt Sie unsere kulinarischen Ansprüche und bringt sogar noch Nachschlag, es lebe Bella Italia.  Nach dem Essen wieder auf den Brenta-Bike-Weg, schön abwechslungsreich und wirklich unbeschreiblich interessant auf wechselndem Terrain, mal Pfad, mal Schotter, durch Wald, durch kleinste Siedlungen mal flach, mal auf- oder abwärts, kurzweilig und für Mountainbiker ein El Dorado. Bald erreichen wir Stenico (660 m). Nach einigem Verfahren bei der Hotelsuche ziehen wir hoch zur Ortsmitte, wo wir uns unterhalb der kleinen Festung ein Bierchen genehmigen, bevor wir uns nach unserem Hotel informieren.  Dies erreichen wir dann nach einer schönen Abfahrt auf Straße im Tal in Ponte Arche. (450 m)

 

Tag 7, 15. Juli; Stenico/I  - Riva del Garda/I 55 km, 1.690 Hm;

Die letzte Etappe; eigentlich könnten wir auf 20 km Radweg in 1 Std. am Gardasee sein. Aber, wir sind ja wir, und wir wollen immer weiter und immer höher. So erhält der  leicht abgewandelte Text einer deutschen Band bei uns einen neuen Sinn; „...weiter, weiter ins Verderben, wir wollen biken bis wir sterben...“. Klar, makaber, aber irgendwo im Kern steckt ein Körnchen Wahrheit. Also, nach dem Frühstück keine 45 Minuten Radweg, sondern 55km und nochmals 1.700 Hm. Was uns am letzten Tag allerdings erwarten sollte, wussten wir bei der Abfahrt noch nicht. Lt. Reiseleitung sollte nur „ein“ Berg auf der Schlussetappe anstehen, als Tageshighlight der Lago di Ledro und danach der Freiflug runter nach Riva. Aber am letzten Tag sollten wir alle nochmals erfahren was es heißt, bei Gumbis-Chaos-Tours zu buchen. Vom Hotel erst mal wieder bergauf in den Ort Stenico. Wir erinnern uns, Einrollphasen gab es nur einmal in 7 Tagen. Auf Straße umrunden wir in schönem runden Tritt die Südspitze der Brenta. Zwischendurch halten wir sogar mal an, um an einer xxm-hohen Felswand einige Kletterer zu beobachten. Echt Wahnsinn, wenn man sieht wie diese Menschen wie Spinnen an einer glatten Felswand hochklettern. Da bleiben wir doch lieber, auf unseren Bikes, auch wenn es manchmal auch nicht ganz easy ist. Nach ca. 15 km erreichen wir Tione di Trento. Hier verlassen wir die Straße und ziehen wieder in die Natur. 12 kmmit 1.400 Hm stehen vor uns. Wie  schon so oft, erst Asphalt, dann Schotter und letztlich Naturwege. Der Weg zieht sich, meist nicht sehr steil aber dafür unendlich lang durch Wald und Almwiesen. Nach ca. 2 Std. erreichen wir das Ende des Fahrweges. Hier steht eine kleine Alm mit einem lustigen Almhirten. Als wir dem einzigen Bewohner hier oben erklären was und wohin wir wollen, lacht sich der Zahnlose erst mal  halb krank, - so viele Verrückte an einem Tag hat er offenbar noch nie gesehen.  Er zeigt uns die Scharte wo wir ca. 200 Hm weiter oben den Bergkamm überqueren müssen, und lacht und lacht... Ab hier beginnt auch tatsächlich die längste Tragepassage welche wir bei unserem diesjährigen Alpen-Cross bewältigen müssen. Schieben ist kaum möglich, also tragen wir das Bike meist seitlich. Dann müssen wir die Tritthöhe dem ständig steiler werdenden Gelände anpassen und das Bike kommt auf den Rücken auf den Rucksack. So steigen wir langsam aber stetig Richtung Pass, den wir nach ca. 35 Minuten hillclimbing erreichen. Der Grat (Bocca di Ussol 1878 m) ist kaum 1 m breit, so legen wir die Bikes links und rechts der Gebirgspassage ab. In dieser Schneise bläst eine kühle Brise, also wechseln wir zuerst unsere nassen Trikot, bevor wir uns wie schon so oft diese Tage von dem herrlichen Panorama beeindrucken lassen. Dann weckt eine Felsenkapelle unser Interesse. Auf dem Grat steigen wir noch ca. 100m an. Die Kapelle liegt mitten auf dem Bergkamm und wurde, wie eine Höhle in den Fels gesprengt, mit einem Natursteinalter und schmucklosem Eisenkreuz  spartanisch ausgestattet. Trotzdem muss jemand hin und wieder hier oben auch einige Kerzen entzünden. Still und beeindruckt nehmen wir die Szenerie in uns auf.  Der Abstieg ist ebenfalls so steil und unwegsam, dass wir die ersten 300 Hm das Bike wieder buckeln müssen. Selbst danach ist auf dem stark ausgesetzten Pfad ein Befahren fast unmöglich. Der erste Versuch wird gleich mit einem Platten bestraft.  So legen wir  den weiteren Abstieg zu Fuß zurück. Nachdem wir wieder Waldgebiet und eine Ziegenalm erreichen, scheint zunächst ein fahrbarer Untergrund zu folgen. Leider auch nur einige Meter, dann wieder Fels und gröbste Gesteinsbrocken auf steilstem Gefälle. Am letzten Tag möchten wir nicht noch Sturzschäden an uns oder unseren Bikes riskieren und verzichten weiter meistens aufs fahren und gehen zu Fuß abwärts. Der komplizierte Abstieg ist absolute Schei...., dauert insgesamt ca. 3 Stunden und ist die einzige Enttäuschung des 2011er Alp-Cross. Enttäuschend deshalb, da er in einem bekannten Buch mit  Alpenpässe für Biker als  größtenteils fahrbar beschrieben wird. Nun gut, der Klassiker ist auch schon einige Jahre alt und sollte vielleicht mal aktualisiert werden, schließlich lebt und verändert sich auch die Natur. Endlich erreichen wir das noble Hotel Rifugio al Faggio im Talende des Val Concei. Die obligatorischen Spagetti werden, hungrig wie wir sind,  regelrecht verschlungen. Die Pause kommt auch gerade richtig, denn während dem Essen geht ein kurzer aber heftiger Platzregen runter. Die letzten Kilometer liegen vor uns und vom Lokal führt eine schmale Straße direkt runter zum Lago di Ledro (650 m). Diesen passieren wir dicht im Windschatten hintereinander ohne anzuhalten, - Riva ruft. Bevor wir auf  die weitere Abfahrt auf dem letzten Teilstück der alten Straße nach Pregasina mit Ihren bekannten Felsengalerien  einbiegen, halten wir an und überblicken den gesamten Nordteil des Gardasee. Klasse Wetter, Sonne, blauer Himmel, das Ziel vor Augen und ein super Downhill vor uns. Auf der speziell für Mountainbiker präparierten Straße direkt über dem See ist Aufmerksamkeit gefordert da hier viel Gegenverkehr herrscht. Trotzdem fliegen wir mit schönen Sprüngen, geilen Drops und durch enge Anliegerkurven Richtung Garda.

Gebremst wurden wir dann noch 800 m vorm Ziel durch einen Platten, - shit happens. Dann, Riva hat uns wieder. Zum dritten Mal stehen wir nach erfolgreicher Alpenüberquerung im Hafen von Riva (60 m). Wieder mit einer riesigen Portion Eis, wieder teils besonnen, teils euphorisch. Die Emotionen sind anders als beim ersten Mal. Das Gefühl, eine außergewöhnliche Leistung vollbracht zu haben, fast täglich an oder über seine Grenzen gegangen zu sein, lässt einem irgendwie über die zurückgelassen Alltagsprobleme erhaben werden. Unser Freund und Teamkollege hat einen super Job gemacht, alles phantastisch organisiert und unserem 3ten Alpen-Cross eine besondere Note verpasst.  Auch wenn wir an manchem Anstieg 1000mal fluchten, wir haben auf dieser außergewöhnlichen Trans-Alp-Route so viele unterschiedliche, neue und wunderschöne Bilder vor Augen gehabt. Wie sagte ein Team-Mitglied und Ersttäter einmal unterwegs: „er kann an gar nichts mehr denken, kein Ärger am Arbeitsplatz, keine Erinnerungen an Stress, sein Kopf sei völlig leer, er hat nur noch ein Vakuum im Kopf“. Tage später, auf dem Rückweg im PKW erklärte er dann, „dass die Erfahrungen und die Eindrücke welche er diese Woche sammeln konnte, für Ihn unbeschreiblich  und unvergesslich sind“. Er sprach uns allen aus dem Herzen. Was er noch nicht wusste, wer einmal vom Trans-Alp-Fieber angesteckt wurde, wird es wieder tun!